Ein nachhaltiges Café – wie geht das?

© T. Kanitz, M. Prenzel, N. Simon-Hallensleben und M. Schmidt

Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren ein Leitbild für politisches, wirtschaftliches und ökologisches Handeln. Seit den Anfängen wurden zahlreiche Definitionsversuche vorgenommen, die im Kern jedoch oft sehr ähnlich sind. Eine der meist gebrauchten Definitionen des Nachhaltigkeitsbegriffes ist die Definition des Brundtland-Berichtes der Vereinten Nationen von 1987. Nachhaltigkeit wird laut dieser Definition als eine Art Entwicklung beschrieben, die sowohl auf die Gegenwart als auch die Zukunft ausgerichtet ist.*

 

Aber was heißt das eigentlich im Klartext?
Einfach gesagt gehen unserem Planeten Erde irgendwann die Rohstoffe aus. Irgendwann sind alle Wälder abgeholzt, alle Flüsse leer und alle Meere voller Plastik. Diesen Punkt sollten wir wirklich nie erreichen! Nachhaltigkeit zielt darauf ab, genau dies zu verhindern. Zum einen gilt es Plastikmüll zu vermeiden – vor allem aber Einwegmüll. Unter Einwegmüll fallen hier Dinge wie To Go Becher oder Verpackungen für Speisen zur Mitnahme. 106.000 Tonnen Abfall fallen in Deutschland für To-go-Getränkeverpackungen inklusive Zubehör – Deckel, Strohhalm, Rührstab – jährlich an. Damit hat der Becher die Plastiktüte als Abfallverursacher im Alltag überholt. Von den Tüten werden in Deutschland rund 95.000 Tonnen jährlich verbraucht. Bei Heißgetränken – also Kaffee, Tee, Kakao – macht der Verbrauch rund 60 Becher pro Kopf und Jahr aus. Durchschnittlich wird ein Becher nur 15 Minuten genutzt, bevor er in den Müll wandert. Die meisten Becher für Heißgetränke bestehen aus Pappe mit einer Kunststoffbeschichtung. Allein für die Herstellung des Papiers für einen Becher wird rund ein halber Liter Wasser verbraucht – mehr als der Becher an Getränk aufnimmt. Woher die Fasern für das Papier stammen, bleibt oft unklar, denn nur wenige tragen eine Zertifizierung. Etwa ein Drittel der Becher bestehen ausschließlich aus Kunststoff. Ebenso wie Plastiktüten, die in der Umwelt landen, besteht auch bei Einweg-Bechern die Gefahr, dass der Kunststoff des Bechers durch Abrieb zu Mikroplastik wird, das ins Wasser oder den Boden gelangt – mit nicht absehbaren Folgen für Mensch und Umwelt.**

Die Vermeidung dessen ist in unserem Café sehr leicht, da wir Plastik gar nicht erst verwenden. Wir bieten unser Essen und die Getränke natürlich auch zum Mitnehmen an, allerdings nur in biologischen Verpackungsmaterialien, ohne Plastik! Unsere Verpackungen bestehen aus recycelten Materialen oder Naturfasern von greenbox – damit nutzen wir hier zum Großteil erneuerbare Ressourcen. Wir beziehen außerdem essbares und kompostierbares Besteck für unterwegs und bieten ausschließlich Papiertüten an. Um den Müll noch mehr zu minimieren rufen wir dazu auf mit Mehrweg-Bechern oder Dosen vorbei zu kommen. Als Dank gibt es einen entsprechenden Rabatt auf die erworbenen Lebensmittel. Egal, ob die Becher und Dosen bei uns gekauft wurden oder nicht. So möchten wir unsere Gäste dazu anregen aktiv an der Nachhaltigkeit mitzuwirken. Zusätzlich bieten wir aber auch in einer kleinen Ecke des Cafés nachhaltige Transportgefäße an – u.a. Mason Jars von Lieblingsglas und Edelstahldosen bzw. Flaschen von kivanta . In Kooperation mit kivanta entwickeln wir außerdem unsere hauseigenen Dosen.

Aber bei der Verpackung endet die Nachhaltigkeit natürlich noch nicht! Wir möchten auch das Café selbst nachhaltig betreiben und greifen daher auf den Ökostrom von Greenpeace Energy zurück. Dieser arbeitet zu 100% mit erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Wasser und verzichtet komplett auf Kohle- und Atomkraftwerke. Außerdem beziehen wir unsere Wärmemittel ebenfalls über Greenpeace Energy in Form von Windgas.

Quelle: Greenpeace Energy eG

 

Zur Nachhaltigkeit gehört auch die Wasserversorgung. Wer würde heute noch literweise Wasser ungenutzt in den Abfluss laufen lassen, während er sich die Zähne putzt? Unser Wissen um den Wert der kostbaren Ressource Wasser lässt uns bewusster handeln. Denn heute wissen wir: Nur 3% der Wassermenge auf unserem Planeten sind trinkbar. Wer sein Wasser direkt aus dem Hahn zapft, trinkt bis zu 35% mehr als Nutzer von Flaschenwasser. Der CO2-Verbrauch reduziert sich zudem um rund 61% gegenüber Flaschenwasser.***

Deshalb investieren wir in eine Aufbereitungsanlage mit der wir das lokale Wasser der Wuppertaler Talsperre nutzen können. Glücklicherweise gehört dieses ohnehin schon zu den saubersten Gewässern der Region! Aus unserem Wasserhahn kommt dann kalkfreies und gefilteres Wasser für alle unseren Speise und Getränke. Durch ein aufwendiges Verfahren wird das Wasser direkt mit Kohlensäure versetzt und ist in drei Sprudelstärken direkt aus der Leitung vorhanden. Nachdem das Wasser den vierfachen Filterprozess durchlaufen hat, kühlt die Anlage das gefilterte Wasser zusätzlich auf eine angenehme Temperatur von 6° Celsius. Für den einen oder anderen unserer Gäste wird es im ersten Moment komisch sein, dass wir unser Mineralwasser aus dem Wasserhahn beziehen – wir haben uns aber aus vielen Gründen für diesen Weg entschieden. Zum einen sparen wir so Transportwege von Lieferanten und somit Treibstoffverschwendung. Wir sparen zum anderen dadurch natürlich auch erheblich an Verpackung.

Kein Mensch und vor allem kein Unternehmen ist unfehlbar – so auch wir nicht! Es wird sich mit der Zeit sicher noch der eine oder andere Weg ergeben noch besser und noch nachhaltiger zu arbeiten. Wir versuchen stets unser bestes die Ressourcen zu schonen und das Müllaufkommen zu minimieren.

 

 

 

 

Bei unserem Crowdfunding bieten wir als Dankeschön auch Jutebeutel in exklusiven Designs an! Der wunderbare und talentierte Jan von Umsturzvegan hat uns hierzu extra eine Zeichnung beigesteuert. In anderen Designs wird es diese Beutel auch im Café geben. So braucht man zum Transport der Speisen nicht unbedingt immer eine Papiertüte und kann praktischerweise auch noch Statements in die Welt tragen.

 

 

 

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* Quelle: Lexikon der Nachhaltigkeit
** Quelle: Deutsche Verbraucherzentrale
*** Quelle: GROHE

Beitragsbild © T. Kanitz, M. Prenzel, N. Simon-Hallensleben und M. Schmidt